Dr. jur. Martin Engel

Geburtsdatum: 7. 11.1974

Mitglied seit: 2012

Bitte stelle dich kurz vor.
Mein Name ist Martin Engel. Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Jungs im Grundschulalter und lebe in Essen Kettwig. Ich bin Rechtsanwalt und arbeite als Jurist und Compliance Experte beim EON-Konzern in Essen.

Seit wann und wie regelmäßig besuchst du die Spiele des FC Schalke 04? Seit wann bist du Vereinsmitglied und was hat dich damals dazu bewogen?
Seit dem 6:6 im DFB-Pokal gegen Bayern 1984, bei dem ich als 9Jähriger im Parkstadion war, besuche ich die Spiele des FC Schalke 04. In meiner Jugend stand ich regelmäßig in der Nordkurve. Heute, mit zwei eigenen kleinen Kindern, bin ich oft im Familienblock oder nutze zwei Dauerkarten, die seit Jahren im Familienbesitz sind.

Mitglied bin ich seit 2012. Bevor mein erster Sohn geboren wurde und ich ihn zum Mitglied machen konnte, ging mir auf, dass ich selbst noch gar kein Mitglied war.

Was hat dich dazu bewogen, für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 zu kandidieren? Was qualifiziert dich persönlich für die Arbeit im Aufsichtsrat? Warum sollten die Mitglieder dir ihre Stimme geben?
Als der Abstieg drohte und einige Entscheidungen kommuniziert wurden, die ich nicht nachvollziehen konnte, reifte in mir der Entschluss, gerne Verantwortung im Verein zu übernehmen und an Veränderungen mitzuarbeiten.

In den Aufsichtsrat eines Vereins unserer Größenordnung gehört eine juristische Komponente. Ich bewerbe mich für die Funktion des Aufsichtsrates als Ratgeber des Vorstandes bei juristischen Themen im Allgemeinen.

Als Rechtsanwalt kann ich bei wirtschafts-juristischen Themen vollumfänglich mit Rat zur Seite stehen. Bei Vertragsgestaltungen weiß ich, die richtigen Fragen zu stellen und die Vorteile für unseren Verein zu wahren.

Zudem bin ich Compliance-Experte. Compliance ist ein Thema, das nicht so sexy ist. Es tritt immer erst bei großen Skandalen wie dem Diesel-Skandal oder Wirecard oder bei reputationsschädigenden Schlagzeilen zu Tage. Compliance meint die Einhaltung der gesetzlichen Regeln, der Werte und des Leitbildes unseres Vereins. Ich möchte im Aufsichtsrat mit dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten und Skandale verhindert werden.

Als Kind des Ruhrgebiets, geboren und wohnhaft in Essen, bin ich mit der Region und dem Verein fest verbunden und würde mich sehr freuen, wenn unsere Mitglieder mir ihre Stimme geben, damit ich meine juristische Expertise zum Wohle unseres Vereins mit einbringen kann.

Welche konkreten Ziele hast du, wenn du in den Aufsichtsrat gewählt wirst? Was sind für dich die großen Herausforderungen in den kommenden Jahren?
Den seit letztem Jahr eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten und als Jurist dem Vorstand und dem Aufsichtsrat selbst beratend zur Seite zu stehen.

Als größte Herausforderung für unseren Verein sehe ich es an, nachhaltig und finanziell solide zu wirtschaften und gleichzeitig einen Kader zusammenzustellen, der in der Lage ist, die Klasse zu halten und langfristig wieder oben mitzuspielen. Nach der sehr positiven Entwicklung der letzten 12 Monate ist es wichtig, die Fans – als Basis des e.V. – nie wieder aus dem Blick zu verlieren.

Bei der Knappenschmiede sollte der Fokus darauf liegen, die Talente der eigenen Jugend als Identifikationsfiguren zu halten und als unsere Schalker Jungs in die Mannschaft einzubinden.

Wie definierst du die Aufgaben des Aufsichtsrats? Wie sieht eine gute Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand aus?
Der Aufsichtsrat kontrolliert den Vorstand, soll ihm aber auch beratend zur Seite stehen. Konkret beschreibt § 7.5 der Satzung die Aufgaben des Aufsichtsrats. Der Vorstand trifft eigenverantwortlich in den Genehmigungsgrenzen des Aufsichtsrats die operativen Entscheidungen, führt das „Unternehmen Schalke“ und repräsentiert es in der Öffentlichkeit.

Eine gute Zusammenarbeit ist gegeben, wenn die beiden Gremien sich vertrauensvoll und offen austauschen und auf Augenhöhe begegnen. Mein Eindruck ist, dass dies in der „neuen Schalker Welt“ unter der Führung des aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden und des aktuellen Vorstandsvorsitzenden schon sehr gut funktioniert.

Wie bewertest du die finanzielle Situation des Vereins?
Die finanzielle Situation ist nicht rosig. Ich schätze aber die Arbeit von Christina Rühl-Hamers als Finanzvorständin und ihr klares Bekenntnis dazu, dass wir nur das ausgeben können, was wir auch einnehmen. Das war leider nicht immer so.

Das Finanzmanagement nach Abstieg und auch während der gesamten Pandemie ist aller Ehren wert. Es ist ein Zeugnis des neuen und guten Zusammenspiels der Vorstände Finanzen und Sport und der bemerkenswerten Arbeit von Rouven Schröder, ergänzt seit Anfang des Jahres um Dr. Bernd Schröder als Vorstandsvorsitzendem.

Wie stehst du zur Rechtsform des eingetragenen Vereins beim FC Schalke 04?
Diese Rechtsform sollte bleiben, sie ist ein Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga und absolut schützenswert. Am Beispiel von Hertha BSC haben wir zuletzt gesehen, dass selbst extrem hohe, kurzfristige Mittelzuflüsse keinen Erfolg garantieren. Diesen muss man sich im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten.

Wie beurteilst du die Satzung des FC Schalke 04? Wie stehst du zum veränderten Umgang mit Satzungsänderungsanträgen?
Die Satzung und das Leitbild des FC Schalke 04 sind der Rechtsrahmen für unser Zusammenleben im Verein. Die Satzung muss ständig hinterfragt werden, was Praktikabilität und Wirksamkeit des Zusammenlebens im Verein angehen.

Ich begrüße es, dass der Miteinander- Ausschuss des Aufsichtsrats Gespräche mit den Antragstellern sucht und die Motive der Änderungswünsche hinterfragt. So hat sich der größtenteils neu formierte Aufsichtsrat aus meiner Sicht von seiner Wagenburgmentalität der vergangenen Jahre verabschiedet, was dem Verein und dem Zusammenleben guttut.

Wie sollte das Zusammenspiel zwischen Verein und Fans aussehen? (Siehst du Verbesserungsmöglichkeiten?)
Verein und Fans sollten eins sein. „Schalke – Wir leben Dich“ gilt für Verein und Fans gleichermaßen. Die Fans sollten nicht versuchen, gegen den Verein zu arbeiten und der Verein sollte Strukturen, die sich außerhalb des Vereins bilden, nicht als Angriff gegen sich selbst sehen. Jeder, der sich für Schalke engagiert, tut dies nur zum Schalke-Wohl und weil ihm der Verein am Herzen liegt. Mit dieser Einstellung können Verein und Fans sich gegenseitig befruchten.

Mit dem neu ins Leben gerufenen Miteinander-Ausschuss ist im Aufsichtsrat eine sinnvolle Institution von Vereinsseite zum Austausch mit den Fans geschaffen worden. Dieser Weg sollte weiter beschritten werden und auf diesem Weg wird es sicher immer Verbesserungsmöglichkeiten geben.

Als Abschluss: Wie blickst du auf die zurückliegende Saison, insbesondere abseits des sportlichen Erfolgs?
Ich denke, dass Vieles auf der richtigen Bahn ist (neuer Aufsichtsrat, neuer Ehrenrat, neuer Vorstandsvorsitzender, neuer Kader) und ich habe das Gefühl, dass wir zum ersten Mal seit langem alle in die gleiche Richtung laufen. Das macht mir Mut und ich würde gerne Teil dieses Aufbruchs sein.

Das wieder ausverkaufte Stadion nach gefühltem Ende der Pandemie ist ein Faustpfand, welches uns in den letzten 2 Jahren oft gefehlt hat. Ich denke, kein anderer Verein hat unter der Abstinenz der Zuschauer so gelitten wie wir und so wird die Rückkehr des Supports auf die Tribünen keinen so stärken wie uns.